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Geschäftsbericht 2013

Um diesen Bericht einmal mit einer äußerst negativen Meldung zu beginnen:
Aus der jüngst in der WAZ veröffentlichten Armuts- und Reichtums-Statistik geht hervor, dass Langendreer – und hier vor allem der Alte Bahnhof - zu den ärmsten Stadtteilen in Bochum zählt. Eine Tatsache, die wir zur Kenntnis nehmen müssen und an der wir nichts ändern können.

Dieser negativen Tatsache zum Trotz können wir aber vermerken, dass hier eine große und wachsende Zahl von Bürgern lebt, die das Gefühl haben, dass es sich lohnt, gemeinsam an der Entwicklung unseres Stadtteils mitzuwirken. Unser besonderer Dank gilt z.B. Frau Grewe-Goling, Herrn Krüger und Herrn Schreckenschläger, die uns über eine lange Zeit ihre leer stehenden Ladenlokale kostenlos zur Verfügung gestellt haben bzw. noch immer stellen. Nach langen Jahren, in denen wir uns vergeblich bemühten, auch die türkischen Mitbürger einzubeziehen, sind auch sie jetzt an einer organisierten Zusammenarbeit interessiert.

Insgesamt gilt: In Langendreer ist was los: Flohmärkte, attraktive Straßenfeste, Konzerte, Lesungen, Stadtteilkonferenzen und, und, und. Hier ist mehr los als in fast allen wohlhabenderen Stadtteilen Bochums. An all dem haben wir, die WAB, einen nicht unerheblichen Anteil. Aber an all das haben wir uns auch schon so gewöhnt, dass wir oft über die Probleme unseres Stadtteils die positiven Entwicklungen vergessen.

Was die ökonomische Entwicklung unseres Stadtteils betrifft, so hat sich die Situation im Vergleich zu den vorherigen Jahren leicht verbessert. Am „Stern“ gibt es keine Leerstände mehr, KIK ist zurückgekehrt, das „Buderus“-Haus hat neue Eigentümer gefunden und wird momentan renoviert. Auch für den „Kiepenkerl zeichnet sich eine Nutzung ab. Der geschlossene Akzessoire-Laden neben der Park-Apotheke wird zu einem Schmuckladen und im ehemaligen Bioladen von Frau Rinio wird ein Modellbauer eröffnen. Leider fehlt momentan eine Poststelle und im Moment ist dafür keine Lösung in Sicht. Im oberen Teil der AB-Straße haben die Ansiedlung von „Teko-Immobilien“ und Sanitätshaus „Schock“ die Zahl der Leerstände verringert. Außerdem wird in Kürze der von uns als Ausstellungsraum genutzte Laden neben „Istanbul“ kommerziell genutzt. Die Ansiedlung der Firma „Rossman“ im ehemaligen „Dieler“-Gebäude hat die Käuferfrequenz erhöht.

Wenn wir diese Verbesserungen feststellen, dürfen wir aber nicht übersehen, dass die Situation insgesamt weiterhin problematisch ist: Die plötzliche und unerwartete Schließung von Optik Wulf beraubt den Stadtteil um ein attraktives Geschäft und in Kürze schließt auch die kleine Reinigung neben dem Asia-Grill. D.h. die Zahl der Leerstände ist weiterhin zu hoch. Der erwartete Einfluss von „Rossmann“ auf die Ansiedlung neuer Geschäfte war bis jetzt nicht erkennbar.

Das Erscheinungsbild des Stadtteils trübt neben den erwähnten Leerständen in erster Linie die Brandruine Ecke AB – Ümmingerstraße . Wir müssen den politischen Entscheidungs-trägern in diesem Punkt weiterhin auf die Füße treten aber zugleich auch einsehen, dass ihre wie unsere Einflussmöglichkeiten begrenzt sind. Auf der anderen Seite können wir positiv vermerken, dass einige wenige Geschäftsleute und Mitglieder der kath. Gemeinde einige Baumscheiben in Eigeninitiative bepflanzt und zumindest den Bereich des „Sterns“ verschönert haben.

Im Sommer fand ein bundesweit ausgeschriebener und beachteter Studentenworkshop statt, an dessen Durchführung wir neben anderen Organisationen und Mitbürgern beteiligt waren. In diesem Workshop wurde uns noch einmal vor Augen geführt, dass wir in einem historisch und architektonisch bemerkenswerten Stadtteil leben, den es zu erhalten gilt. Die Ideen und Impulse, die dieser Workshop gab, müssen wir weiter im Auge behalten und mit aktiven Mitbürgern zu realisieren suchen.

Das Sommerfest Bänke raus war – wie bisher von Petrus liebevoll betreut - ein voller Erfolg. So sehr, dass es in diesem Jahr bis zur Ecke Ümmingerstr. verlängert wird. Das Vorbereitungskomitee arbeitet wie gewohnt routiniert und engagiert an diesem Fest. Wir wollen seinen Mitgliedern an dieser Stelle unseren ausdrücklichen Dank aussprechen. Hoffentlich bleibt uns weiterhin die Prüfung erspart, wie es bei schlechterem Wetter aussieht.

Der Herbstmarkt litt in diesem Jahr unter einer unzureichenden Werbung. Das Plakat war zu unauffällig und wurde zu spät ausgehängt. Allerdings hat sich die erstmalige organisierte Teilnahme türkischer Mitbürger positiv auf die Buntheit des Marktes und die Zahl der Besucher ausgewirkt. Die Stimmung bei den Teilnehmern und Besuchern wie immer gelöst und auch das Wetter spielte mit. Dem Herbstmarkt als Markenkennzeichen unseres Stadtteils sollten wir in diesem Jahr größere Aufmerksamkeit widmen.

Im letzten Geschäftsbericht hieß es:
„Leider ist die Tatsache, dass diese Veranstaltungen durchaus auch als Werbeplattform genutzt werden können und so einen Mehrwert für unsere Mitglieder und andere Gewerbetreibende erbringen können, immer noch nicht verbreitet. Auch wenn z.B. „Bänke raus“ als nicht-kommerzielles Fest konzipiert ist, muss man nicht auf Kundenwerbung, Kundenpflege an seinem gemieteten Tisch oder seiner Tischgruppe verzichten.“

Diese Sätze gelten auch weiterhin. Wir müssen aber auch eingestehen, dass wir als WAB unsere Möglichkeiten der Werbung für unseren Stadtteil bei weitem nicht ausgereizt haben. Das Beispiel „Herbstmarkt“ wurde bereits genannt. Aber auch z.B. der Frischemarkt kann und muss aktiver beworben werden. Nicht nur, weil er ein wichtiges finanzielles Standbein der WAB ist, sondern auch, weil er erheblich zur Attraktivität des AB beiträgt.
Insgesamt sind wir noch nicht in genügendem Maße auf den werblichen Aspekt unserer Arbeit zugunsten unserer Mitglieder fokussiert.

Neben anderen Aufgaben kann hierin ein Arbeitsschwerpunkt unseres möglichen neuen Stadtteilmanagers liegen. Der Vorstand beschloss, die Einrichtung dieser Funktion zu befürworten und die Ausbildungskosten zu 50% zu tragen (800 €).

Ansonsten haben wir natürlich unsere Brot- und Butteraktivitäten fortgeführt:

  • unsere wie immer erfolgreiche Stiefelaktion
  • die Schmückung des Stadtteils mit Weihnachtsbäumen

In diesem Jahr war die personelle Decke bei Planung und Durchführung dieser Aktionen erfreulich dicker als in den Jahren zuvor. Zum ersten Mal haben sich WAB-Mitglieder, die nicht direkt am AB ansässig sind, an der Finanzierung von Weihnachtsbäumen beteiligt und diese als Werbeträger genutzt. Dies ließe sich ausbauen – auch für Nicht-Mitglieder.

Außerdem waren zum ersten Mal einige Weihnachtsbäume beleuchtet, was auf positive Resonanz traf. Einige Geschäftsleute baten im Nachhinein ausdrücklich um einen beleuchteten Baum im nächsten Jahr.

Hiermit hätten wir dann endlich eine Lösung für das leidige Problem der Weihnachtsbeleuchtung: Die flächendeckende Ausstattung der AB-Straße mit beleuchteten Weihnachtsbäumen wäre ein ebenso attraktiver wie kostengünstiger Weihnachtsschmuck und würde auch die Geschäftsleute zufrieden stellen, die nicht am „Stern“ ansässig sind.

Die Mitgliederentwicklung ist stabil. Es gab keine Austritte aufgrund von Unzufriedenheit mit der Arbeit der WAB. Durch die oben angesprochenen Maßnahmen zu einer verbesserten Werbung ließe sich die Mitgliederwerbung aber sicherlich verstärken, um uns personell und finanziell auf eine breitere Basis stützen zu können. Wie unser schlecht besuchter Neujahrsempfang zeigte, gelingt es uns aber immer noch nicht, unsere Mitglieder enger zu binden.

Zusammenfassung und kritischer Ausblick

Im Bericht wurden zahlreiche Mängel unserer Arbeit benannt. An ihnen müssen wir arbeiten.
Aber dennoch gilt zuvorderst das zu Beginn Gesagte: Bei allen Problemen, mit denen wir zu kämpfen haben (Bevölkerungsstruktur, begrenzte personelle Ressourcen, Mängel und Fehler unserer Arbeit etc.), sollten wir nicht vergessen, wie sehr unser Stadtteil lebt und welchen Anteil wir daran haben. B.L